PRESSESTIMMEN

CARMINA BURANA

Szenen aus dem irdischen Jammertal

60 Minuten, die die Sicht auf das 1937 uraufgeführte weltliche Kantatenwerk verändern. / 

Ivar Thomas van Urk inszeniert die „Lieder aus Benediktbeuern“ ganz anders als erwartet. 60 Minuten, die die monumentalen Aufführungen vergessen lassen, die man in heiligen Hallen oder auf Domstufen gesehen hat, szenisch oder konzertant.

 

/ wunderbaren Solisten: die Sopranistin Elif Aytekin als bunte, verletzliche Gestalt inmitten eines allumfassenden Grauens. Tenor Ondrej Šaling und Bariton Dae-Hee Shin als die Wortführer einer Menschenmenge, die das Fremde misstrauisch und gleichzeitig lüstern beäugt. /

 

Die Botschaft, die uns der Regisseur und sein bewundernswert aufeinander eingespieltes Ensemble mitteilen wollen, ist zeitlos. Wenige unter den Zuschauern haben sie wohl bisher mit ihrer eigenen Deutung verbunden. Dramaturg Daniel Westen bringt die Botschaft auf den Punkt: Der „kollektive Gleichgesang“, der „beinahe gleichgültige Pomp an dionysisch-satyrischem Treiben“ als Ausdruck der „Wanderungen der Gleichgültigen durch das Einfallstor des Bösen“. Wenn man die Carmina Burana als Gegenentwurf zu dieser allseits sichtbaren gesellschaftlichen Bewegung sieht – und das Regieteam tut das –, muss sich der grauen Menschenmenge etwas Unerwartetes, Andersartiges entgegenstellen. Und das geschieht auf eine überraschende Weise, die sich den Zuschauern tief ins Gedächtnis prägt: Atemberaubend choreografierte und gesungene Massenszenen, in denen sich die graue Menge ablehnend um eine Flüchtlingsmutter im farbenfrohen Sari (Elif Aytekin) und ihre beiden, noch Schwimmwesten tragenden Kindern schart, wandeln sich am Ende zu einer Vision. Zum Traum von einer Gemeinschaft von Individuen verschiedenster Couleur und verschiedenster Kulturen. Der Schlusschor wird damit zu einer einzigartigen Beschwörung der Einheit in der Vielfalt. Nur damit lassen sich die „Wunden, die Fortuna schlug“ ertragen und das irdische Jammertal menschenwürdig durchschreiten.

(Main-Post)

MACBETH

Ivar van Urk zeigt Shakespeares Königsstoff am Theaterhaus Jena als eindringlich modernes Soldatendrama

 

/ Macbeth wird in Jena in der Inszenierung des holländischen Regisseurs Ivar van Urk zum Teil unserer Gesellschaft. Eine überzeugende Aktualisierung des Mythos.

/ Um das Drama heute glaubhaft zu erzählen, bedarf es eines sehr reifen Ensembles – und einer resoluten Regie. / Van Urk erklärt Macht zu einer allgemeinen, zu einer gesellschaftlichen Krankheit.

 

/ Benjamin Mährlein und Ella Gaiser ziehen sich als Ehepaar Macbeth gegenseitig in den Strudel aus zunächst sehr zarter Machtgier und Verzweiflung. Diese Dynamik spielen beide so bestechend glaubhaft, dass es schmerzt – und in seiner gaunerhaften Tragikomik anrührt: Lady Macbeth als zaudernde Antreiberin, als fassungslose Mittäterin und schließlich als – hier heroinspritzende – Schlafwandlerin. Das ist nicht furienhaft pathetisch, das ist menschlich. Während Mährlein in Macbeth genüsslich und meisterhaft die Nuancen der Verkümmerung vom einfältigen Charakter bis zum Wahn ausspielt. 

 

/ Regisseur Ivar van Urk hat Shakespeare gekonnt an unsere Zeit herangerückt, indem er dort, wo der Meister die Komödie vorgesehen hat, ernst macht – und umgekehrt, den tiefsten Ernst des Dramas ironisiert: Er verzichtet auf Kunstblut und anderen üblichen Ritterburg-Firlefanz. / Mit Augenzwinkern bringt der Holländer den Mythos Shakespeare unter Kontrolle. Dem Theaterhaus-Publikum haben er und sein Ensemble einen sehr menschlichen, sehr politischen Macbeth geschenkt.

(Auszug aus Nachtkritik Tobias Krone)

NATHAN DER WEISE

Ivar Thomas van Urk inszeniert Lessings Klassiker mit Textvertrauen und Wucht, aber ohne Firlefanz in Zittau.

 

Glaubensfragen, Liebesgeschichte, Generationenkonflikt – Der niederländischer Regisseur Ivar Thomas van Urk lässt zum Start des großen deutschen Nathan-Reigens –nichts davon aus. Er vertraut der inneren Logik des Meisterwerkes und auf die Schönheit der Sprache. Nur behutsam ergänzt er sie mit heutigem Jargon.

/ die Grundidee, die Bühne fast leer und alle Spieler immer hinten in der Szene zu lassen

 

Betroffen-umjubelten Premiere

 

 / Beängstigend klar hingegen Beyers Patriarch, der als bucklige schwarze Gestalt den einzigen Fundamentalisten gibt und des Tempelherrn fiktive Frage nach den Folgen für Nathans Adoption mindestens vier Mal mit „Der Jud‘ wird brennen!“ derart scharf beantwortet, dass der ganze Saal zusammenzuckt. 

Van Urk beschert Zittau so einen Abend ohne theatralen Firlefanz und technischem Schnickschnack, der zwar nicht die wohlige Wärme anderer Inszenierungen (so wie jener legendären mit Dieter Mann in Dresden) erfährt, uns dafür aber pädagogische Moralzeichen erspart. Hier ist Mitdenken gefragt, keiner der Beteiligten ist ganz sympathisch, der Nathan Tilo Werners gar eher ein Getriebener, der seine emphatischen Leerstellen mit geschäftlichem Erfolg kompensiert. 

Das passt gut in die Zeit, genauso wie das biblische Schlussbild – eine Mischform aus Krippenspiel und der Anmutung moderner Flüchtlingslager – in das sich alle Beteiligten nach einer gewissen Ratlosigkeit einreihen. Dass Lessings Text in dieser reichlichen Dreistundenfassung seine hinterlistige Wirkung entfaltet, ist keine gewagte Prognose. Solches Theater ist sein Geld wert, sowohl in der Landes-, als auch an der Abendkasse.

(Auszug aus Sächsische Zeitung)

KASIMIR UND KAROLINE

/ wie genau, wie kraftvoll Ivar van Urk in Jena Horváths „Kasimir und Karoline“ inszeniert. Wie schön er die Geschichte aus den 30er Jahren ins Heute zieht. Wie klug aus dem rustikalen Oktoberfest die große Party der Damen und Herren im Businesskostüm wird, wie mühelos aus der Schau der Abnormitäten auf der Wies‘n die Frau in absurd untauglicher Kleidung auf dem Laufsteg. 

(Auszug aus Ostthüringer Zeitung)

Es ist ein Abend, an dem beinahe alles stimmt. / Die in Mauerkostümen steckenden Musiker der „Ugly Hurons“-Punkband aus Hermsdorf heizen tüchtig ein. Horváths Dialoge gehen ins Ohr und treffen ins Herz. Auf der Hinterbühne werden von den Statisten stimmungsvolle Genrebilder einer nur mit sich selbst beschäftigten High Society gestellt. 

/ tragen dazu bei, dass die Inszenierung nicht nur gefällig die Oberfläche des rauschhaften Amüsements abbildet, sondern zugleich dessen soziale Ursachen zeigt.  /  „Kasimir und Karoline“ erweist sich als mutige und richtige Wahl, und Ivar van Urk holt das Stück ohne großen Schnickschnack aus den 1920er Jahren in die Gegenwart. 

/ Doch sie können hier noch so wild saufen und sich aneinander heranmachen und Pogo tanzen, darunter ist doch alles ernst, eigentlich todtraurig. Weil Krise ist und es aus ihr keinen Ausweg gibt, auch nicht im Privaten. Das war 1932 so und ist es wohl heute noch.  /

Es sind keine Bilder einer großen Liebe, die Regisseur Ivar van Urk entwirft, es ist eine ins Bedrohliche kippende Open-Air-Party (samt explodierendem Auto), auf der alles durchdrungen ist von Sehnsucht: Wo ist das Glück, wenn doch nur zählt, was einer wert ist? Hinten läuft Modenschau als Menschenzoo. 

Im mikrofonverstärkten Spiel / reißen die Schauspieler einen hinein in einen Rausch, in dem alles möglich scheint und es doch nie ist. „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich“, sagt Karoline. „Aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als war man nie dabei gewesen.“ 

(Auszug aus Thüringer Allgemeine)

ENTHYMESIS

Ein riskantes, aber wie die Aufführung zeigte, sehr geglücktes Wagnis. 

(Auszug aus Der Ostsee Zeitung)

Richard Gonlag findet in seiner Rolle zu einer beeindruckenden Kontinuität, was doppelt schwer ist. Zum einen ist da Schmidts komplexe Sprache: Auf einen Schauspieler, der sie nicht meistert, legt sie sich wie ein Gitter, hinter dem die verkörperte Figur gefangen bleibt. Gonlag aber befreit sich, und das nicht, indem er sich über die Maßen ereiferte, um sich auf diese Weise frei zu kämpfen. Gonlag macht es gerade umgekehrt: Selbst in der größten Erregung bleibt er der hochkulturelle Intellektuelle. Gerade diese Haltung macht die Figur auch brüchig, denn der vergeistigte Kulturmensch bekommt selbst unmenschliche Züge: Philostratos wird entmachtet, weil er die Expedition immer weiter in die lebensfeindliche Wüste treibt. Philostratos bleibt zurück – und rächt sich für die Revolte, indem er dem neuen Anführer einen Pfeil durch die Gurgel schießt. Nicht im Affekt, sondern in Gonlags Spiel wie in Zeitlupe, sehr kühl und überlegt. 

Allein schon Richard Gonlags Gedächtnisleistung ist phänomenal. Einzelne Passagen lässt er zwar gezielt aus, aber in der oft zungenbrecherischen und lyrisch dichten Prosa leistet er sich keinen einzigen Versprecher: „Mond floss mir durchs nickende Gegitter des duftenden Salbeibuschs ins Schlafgesicht: stürzte ich nicht in gebauschten Seidengewändern durch wimmelndes Traumvolk?“ Wortgenau hält Gonlag sich an den Text, als ob die Worte seinen eigenen Impulsen entstammten.

(Auszug aus Südkurier)

HaRT

Der Vorstellung beginnt stark mit Slapstick, der an die Filme Jacques Tatis denken lässt, aber schlägt dann in einen spannenden Thriller um ... Man glaubt kaum, es könnte noch mehr Spektakel geben, doch dann wird wieder etwas aus dem Hut gezaubert, das das Vorangegangene übertrifft.

(Auszug aus Volkskrant)

 

WWONWEGG

Erfinderisch, witzig und besonders gut gelungen.  

(Auszug aus Haarlems Dagblad)

 

/ eine gelungene Aufforderung, Emotionen, Gefühle und menschliche Kreativität zu fördern und die Technologie vielleicht etwas weniger zu vergöttern. 

(Auszug aus Cultuurbewust)

 

TO ALL TOMORROW'S PARTIES

Die Welt von Sex, Drugs and Rock'n'Roll wird hier mit drastischen Effekten, üppigen Bildern und atemberaubenden Kostümen (Stephanie Geiger) reanimiert, das sechsköpfige Ensemble, zum Teil in wechselnden Rollen, und vier ziemlich coole Musiker in schwarzem Leder und Sonnenbrillen bringen die Bühne zum Dampfen.

(Auszug aus Kölner Stadt-Anzeiger)

HEIMLICHE ÄNGSTE

Pornografie und soziales Elend in flotter Regie

 

Auf dem Papier scheinen sie ziemlich weit hergeholt, aber im Theater werden sie zu erkennbaren Charakteren, denen man drei Stunden lang mühelos mitfühlt. Manchmal erzeugt das Ärger, weil sie alles so auffällig vermasseln, manchmal Erstaunen, aber manchmal auch - im richtigen Moment und perfekt dosiert - Ergriffenheit.

/ Es ist Biegsamkeit und Dynamik, die Ivar van Urks Regie kennzeichnet. Van Urk beweist sich hier vor allem als guter Schauspielregisseur. Über Ayckbourns Text könnte höchstens gesagt werden, dass das Stück stellenweise etwas zu aufklärerisch wird und manche Ereignisse ein wenig unglaubwürdig sind. Aber sogar mit diesen Momenten weiß das Ensemble in dieser flotten und nie oberflächlichen Regie gut etwas anzufangen.

(Auszug aus Volkskrant)

 

Form und Inhalt finden in der Regie von Van Urk wunderbar zusammen. 

(Auszug aus De Telegraaf)

LEBENDE TOTE

Kaputtes Leben hinter schöner Fassade

 

Regisseur Ivar van Urk macht für Het Nationale Toneel in Den Haag aus diesem Stück eine düstere, drohende Vorstellung ...

Durch das allmähliche Verknüpfen der Linien ist die Erschütterung groß, wenn die Kellnerin mit dem aufgeschlitzten Hals in einer anderen Szene ein scharfgeschliffenes Messer liebkost. Breathing Corpses kombiniert die Spannung eines Thrillers mit psychologischer Tiefe. Der leere, wesensfremde Blick Pieter van der Smans, wenn er über seine sinistre Entdeckung erzählt, ist unvergesslich.

Van Urk ist nicht nur der Regisseur, sondern auch Komponist der harten Musik, die die Szenenwechsel begleitet. Immer mehr drängt die rohe Außenwelt in die Innenwelt hinein. Allein das ist schon beängstigend. Autorin, Regisseur und Schauspieler zeigen zwingend, wie wehrlos Menschen sind, wenn sie die Außenwelt überwältigt. Wer einen Toten findet, wird dadurch den Tod finden. Ein grausamer Teufelskreis überspitzt auf die Bühne gebracht. 

(Auszug aus NRC Handelsblad)

 

Eindringliches Stück im Nationale Toneel stapelt Leiche auf Leiche

Unter der Regie von Ivar van Urk wird Breathing Corpses mit einer gewissen Leichtigkeit gespielt, steht denn auch diese Auffassung dem dramatischen Unterbau nicht im Wege.  

Die vom Regisseur Ivar van Urk komponierte Musik ist in den Momenten zu hören und trägt somit extra zur Atmosphäre eindringlicher Einsamkeit bei, von der Breathing Corpses letztlich getragen wird.

(Auszug aus Telegraaf)

HURLY BURLY

Sex und Drugs und Rock’n’Roll. Es ist eine abgeleierte Formel, die manchmal noch für Aufregung sorgt. Zum Beispiel in der Vorstellung Hurly Burly. / Regisseur Ivar van Urk bleibt nicht im Zeigen des persönlichen Elends hängen. Seine Figuren aus Fleisch und Blut sagen auch etwas über unsere Zeit aus: Eine Zeit, die offensichtlich mit ihrer Lieblosigkeit unsichere, richtungslose und unverantwortliche Wesen hervorbringt, gestört bis ins Innerste. 

(Auszug aus NRC Handelsblad)

 

DAS MAß DER DINGE

Regisseur Ivar van Urk hat die Schauspieler dazu bewogen, sehr persönlich zu spielen, und das funktioniert perfekt in diesem kleinen Raum. / In voller Fahrt dampft die Vorstellung der Auflösung zu, um uns betroffen zurückzulassen.

(Auszug aus Volkskrant)

 

 

PENETRATOR

Ivar van Urk zeigt mit dieser Vorstellung, dass Heftigkeit nicht unbedingt an plastischen Effekten oder derber Montage hängen muss. Gewalttätigkeit kann auch in den Körpern der Schauspieler lauern, in der psychischen Verflechtung von Freunden, in der Einsamkeit jedes einzelnen erwachsenen Mannes, der aus dem Kinderparadies vertrieben worden ist. 

(Auszug aus Volkskrant)

  

ARAN UND TITUS ODER VERGELTUNG UND WIEDERVERGELTUNG

Van Urk beweist wieder einmal wie geschickt er mit Musik und Ton zaubert und wie bedeutungsvoll er derbe theatralische Effekte machen kann. 

(Auszug aus Volkskrant)

 

Aran und Titus ist ein theatralisches Fest

/ Van Urk auf der Suche nach vielfältigen Sterbeszenen. Er suchte und fand Aran und Titus, ein Stück aus dem 17. Jahrhundert des Amsterdamer Schriftstellers Jan Vos. Aber fand er auch Bret Easton Ellis’ American Psycho, in dem die Hauptperson Patrick Bateman auf grauenhafteste Art und Weise Menschen schlachtet. Und Van Urk hat gezappt, ging ins Kino und spielte Video-Games ... Aus dieser riesigen Krabbelkiste der Gewalt montierte er eine beeindruckende Vorstellung 

/ Van Urk benutzt, was ihm am besten passt, von einer mantovaniartigen Einspielung von The Long and Winding Road bis hin zu schwerem House, von The Smashing Pumpkins bis zu Arvo Pärt. Effekthascherei? Vielleicht. Aber vor allem überwältigend in seiner Wirkung. Nirgendwo entartet Aran und Titus zur absurden Horror-Show. Die Vorstellung ist darüber hinaus, es mag komisch klingen, ein theatralisches Fest. / Den Sensenmann wird es nicht abhalten, aber gerade wegen der Gewaltausbrüche entsteht am Ende das Gefühl, ein wenig unverletzlich geworden zu sein.  

(Auszug aus Nieuwsblad van het Noorden)

 

Ivar van Urk lässt aus Spaß Blut fließen.

/ „Eigentlich möchte ich, dass mein Schmerz andere heimsucht. Ich möchte, dass niemand entkommt. Neue Einsichten können aus meiner Geschichte nicht gewonnen werden.” Diese Worte über Untröstlichkeit klingen am Ende nach dem Ruhepunkt eines griechischen Chors. Darum geht es Van Urk, gnadenloser Egoismus soll zeigen: Mein Schmerz soll andere heimsuchen, deshalb säe ich Tod.

(Auszug aus NRC Handelsblad)

 

 

 

 

 

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